Ratgeber · Baufinanzierung
Baufinanzierung

Finanzierungszusage: Ablauf, Dauer und Bindungswirkung

Wie lange eine Finanzierungszusage dauert, ob sie bindend ist, welche Unterlagen die Bank braucht – und was passiert, wenn der Notartermin ohne Zusage naht.

Wie lange dauert eine Finanzierungszusage?

Eine verbindliche Finanzierungszusage dauert bei den meisten Banken drei bis sieben Werktage, da die Bank dafür Ihre vollständigen Unterlagen und das konkrete Objekt prüft. Bei unvollständigen Unterlagen oder hohem Prüfaufkommen kann sich die Dauer auf bis zu zwei Wochen verlängern. Ein unverbindliches Finanzierungszertifikat als erste Einschätzung erhalten Sie dagegen deutlich schneller – bei mir in der Regel innerhalb von 48 Stunden.

Warum dauert die verbindliche Zusage länger als das Finanzierungszertifikat?

Das Finanzierungszertifikat basiert auf einer ersten Bonitätseinschätzung, während die verbindliche Zusage erst nach vollständiger Prüfung aller Unterlagen und des konkreten Objekts erfolgt. Diese zusätzliche Prüftiefe – inklusive Objektbewertung und finaler Bonitätsprüfung – braucht schlicht mehr Zeit, macht die Zusage dafür aber auch belastbar.

Ist eine Finanzierungszusage bindend?

Ja, eine verbindliche Finanzierungszusage ist grundsätzlich bindend – anders als das unverbindliche Finanzierungszertifikat aus der ersten Prüfphase. Sie erfolgt erst, nachdem die Bank Ihre vollständigen Unterlagen und das konkrete Objekt geprüft hat. Trotzdem kann eine Bank in Ausnahmefällen von der Zusage zurücktreten, etwa wenn sich nachträglich falsche Angaben herausstellen oder sich der Immobilienwert wesentlich ändert. Für den Regelfall gilt: Nach erteilter Zusage können Sie sich auf die Finanzierung verlassen.

Kann die Bank die Finanzierung trotz Finanzierungsbestätigung noch platzen lassen?

Bei einer reinen Finanzierungsbestätigung (unverbindlich) ja – sie ist ausdrücklich keine Garantie. Bei einer bereits erteilten verbindlichen Zusage ist das deutlich seltener, aber nicht vollständig ausgeschlossen, etwa bei nachträglich bekannt gewordenen falschen Angaben oder einer wesentlich veränderten Immobilienbewertung. Deshalb lohnt es sich, offene Fragen zur Immobilie frühzeitig zu klären, bevor die Zusage beantragt wird.

Was passiert, wenn ich ohne Finanzierungszusage zum Notar gehe?

Ohne verbindliche Finanzierungszusage zum Notar zu gehen ist rechtlich möglich, aber finanziell riskant: Mit der notariellen Unterschrift sind Sie an den Kaufvertrag gebunden, unabhängig davon, ob Ihre Finanzierung anschließend tatsächlich zustande kommt. Scheitert die Finanzierung danach, kann der Verkäufer auf Erfüllung des Vertrags bestehen oder bei ausbleibender Zahlung eine Nichtabnahmeentschädigung verlangen – zusätzlich zu Rückabwicklungskosten und Notargebühren. Absichern lässt sich dieses Risiko über einen Finanzierungsvorbehalt im Kaufvertrag: eine aufschiebende Bedingung, die den Vertrag erst mit gesicherter Finanzierung wirksam werden lässt. Sprechen Sie diese Klausel unbedingt mit Ihrem Notar ab, bevor Sie ohne verbindliche Zusage unterschreiben.

Wie lange gilt eine Finanzierungszusage der Bank?

Eine erteilte Finanzierungszusage ist zeitlich nicht unbegrenzt gültig – meist einige Wochen bis wenige Monate, je nach Bank. Zieht sich der Kaufprozess deutlich länger hin, kann eine erneute Prüfung nötig werden. Sprechen Sie das konkrete Zeitfenster am besten direkt mit der zusagenden Bank oder Ihrem Berater ab.

Welche Unterlagen braucht die Bank für eine Finanzierungszusage?

Für die verbindliche Finanzierungszusage benötigt die Bank neben Ihren persönlichen Bonitätsunterlagen zusätzlich die Objektunterlagen: Exposé, Kaufpreis, Grundbuchauszug und bei Eigentumswohnungen die Teilungserklärung. Angestellte legen dafür in der Regel die letzten Gehaltsabrechnungen und den Steuerbescheid vor, Selbstständige zusätzlich aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen und die Steuerbescheide der vergangenen zwei Jahre. Erst mit vollständigen Unterlagen kann die Bank die Prüfung für die verbindliche Zusage abschließen.

Fazit

Damit Sie nicht ungeschützt zum Notar gehen, begleite ich Sie von der ersten Einschätzung über das Finanzierungszertifikat bis zur verbindlichen Zusage Ihrer Bank – abgestimmt auf Ihren Zeitplan.

Mehr zum Finanzierungszertifikat und dem gesamten Ablauf finden Sie auf der Finanzierungszertifikat-Seite.

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Über den Autor
Markus Jakobides

Markus Jakobides

Baufinanzierungsberater & Vertriebsleiter

Baufinanzierungsberater in München und selbstständiger Handelsvertreter der Postbank Finanzberatung AG mit Zugriff auf über 400 Finanzierungspartner. Seit 2008 im Bankwesen, seit 2012 auf Immobilienfinanzierung spezialisiert. Baut seit rund zehn Jahren ein eigenes Immobilienportfolio auf und kennt die Finanzierung damit auch aus Kundensicht. Lebt mit Familie in München.

  • Erlaubnis nach § 34i Abs. 1 GewO (Immobiliardarlehensvermittler)
  • Vermittlerregister-Nr. D-W-155-JPC7-09
  • Selbstständiger Handelsvertreter der Postbank Finanzberatung AG
  • Vertriebsleiter Postbank Finanzberatung AG (seit 2018)
  • Bankausbildung seit 2008, Spezialisierung Baufinanzierung seit 2012
Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie lange dauert eine Finanzierungszusage?
In der Regel drei bis sieben Werktage, bei unvollständigen Unterlagen auch bis zu zwei Wochen. Das unverbindliche Finanzierungszertifikat geht deutlich schneller – meist 48 Stunden.
Ist eine Finanzierungszusage bindend?
Ja, grundsätzlich bindend – anders als das unverbindliche Finanzierungszertifikat. Ein Rücktritt der Bank bleibt aber in Ausnahmefällen möglich.
Was passiert, wenn ich ohne Finanzierungszusage zum Notar gehe?
Sie sind trotzdem vertraglich gebunden. Scheitert die Finanzierung, drohen Rückabwicklungskosten und im schlimmsten Fall eine Nichtabnahmeentschädigung – ein Finanzierungsvorbehalt im Kaufvertrag schützt davor.
Welche Unterlagen braucht die Bank für eine Finanzierungszusage?
Neben Ihren persönlichen Bonitätsunterlagen zusätzlich die Objektunterlagen: Exposé, Kaufpreis, Grundbuchauszug und ggf. die Teilungserklärung.